Dies ist der zweite Beitrag unserer Serie zur Jugendpartizipation. Er zeigt, warum Information allein nicht reicht, um Teilnehmende für Mitwirkungsprozesse zu gewinnen und weshalb Beteiligung oft ausbleibt, obwohl junge Menschen über passende Kanäle erreicht werden. Entscheidend ist nicht nur, ob Jugendliche informiert sind, sondern ob sie ein Thema als relevant für ihr eigenes Leben wahrnehmen. Dies trifft nicht nur auf Jugendliche zu, sondern auf alle Altersgruppen. Beteiligen tut sich nur, wer ein Thema als wichtig empfindet.
Eine häufige erste Hürde: Viele junge Erwachsene haben kaum Berührungspunkte mit politischen Mitwirkungsformaten. Dadurch bleibt unklar, worauf sie sich einlassen und welchen konkreten Nutzen eine Teilnahme für sie persönlich hat. Ohne dieses Verständnis wirkt Partizipation abstrakt und wenig einladend. Diese Problematik und mögliche Lösungsansätze werden in diesem zweiten Artikel der Serie zum Thema Jugendpartizipation beleuchtet.
Relevanz entsteht durch persönlichen Bezug
Jugendliche beteiligen sich nicht aus Pflichtgefühl. Sie entscheiden sich dann zur Teilnahme, wenn sie einen Bezug zu ihrem eigenen Alltag erkennen oder das Gefühl haben, dass ein Thema ihre Lebensqualität oder ihre Zukunft betrifft. Politische Vorhaben wie eine Zentrumsentwicklung sind für junge Menschen durchaus relevant, etwa weil sie Treffpunkte, Freizeitangebote oder Mobilität beeinflussen. Diese Relevanz muss jedoch sichtbar gemacht werden.
Dabei spielen äussere Faktoren wie Ort, Zeitpunkt und Format einer Mitwirkungsveranstaltung eine Rolle. Für eine nachhaltige Beteiligung ist jedoch entscheidender, dass Jugendliche verstehen, warum ihre Meinung gefragt ist und welchen Einfluss sie tatsächlich nehmen können. Langfristig etabliert sich Jugendpartizipation nur dann, wenn die Motivation von innen kommt und nicht allein durch äussere Anreize erzeugt wird.
Unterschiedliche Motivationen ansprechen
Die Beweggründe junger Menschen zur Teilnahme sind vielfältig. Manche interessieren sich grundsätzlich für politische Themen, andere möchten konkrete Veränderungen anstossen oder Missstände benennen. Erfolgreiche Kommunikation berücksichtigt diese Vielfalt und spricht unterschiedliche Motivationen gleichzeitig an. Werbung für Mitwirkungsveranstaltungen darf sich deshalb nicht auf organisatorische Informationen beschränken, sondern muss vermitteln, warum sich das Mitmachen lohnt.
Gleichzeitig ist es wichtig, Erwartungen transparent zu halten. Relevanz entsteht auch durch Klarheit darüber, in welchem Ausmass Mitwirkung möglich ist und wo deren Grenzen liegen. Nur wenn Jugendliche wissen, was sie beeinflussen können, fühlen sie sich ernst genommen.
Gemeinsam ist’s besser
Gerade für Jugendliche ohne Erfahrung mit politischen Mitwirkungsformaten stellt der erste Schritt oft eine hohe Hürde dar. Die Entscheidung zur Teilnahme fällt leichter, wenn sie gemeinsam mit anderen getroffen werden kann. Bestehende Strukturen wie Klubs, Vereine oder die Schule spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen nicht nur eine niederschwellige Informationsvermittlung, sondern fördern auch die gemeinsame Teilnahme. Das Gefühl, Teil einer Gruppe zu sein, reduziert Unsicherheiten und wirkt motivierend. Gemeinden, die diese sozialen Kontexte gezielt nutzen, schaffen deutlich bessere Voraussetzungen, um Jugendliche zur Mitwirkung zu bewegen.
Herkunft der Information entscheidet mit
Ebenso entscheidend ist, wer eine Information vermittelt. Je vertrauter die Quelle, desto höher die Glaubwürdigkeit. Informationen zu Mitwirkungsprozessen entfalten daher eine grössere Wirkung, wenn sie über Kanäle oder Personen verbreitet werden, die Jugendlichen bereits bekannt sind und denen sie vertrauen. Ob Lehrpersonen, Jugendarbeitende, Eltern oder Freunde, die Wahl des Absenders beeinflusst massgeblich, ob eine Einladung wahrgenommen und ernst genommen wird.
Relevanz bewusst gestalten
Gemeinden, die Jugendliche nachhaltig einbinden möchten, müssen sich aktiv dafür einsetzen. Das bedeutet, Themen aus der Perspektive junger Menschen zu denken und ihre Lebensrealität in die Kommunikation einzubeziehen. Relevanz entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis bewusster Auseinandersetzung mit Zielgruppe, Inhalt und Zielsetzung einer Mitwirkung.
Als Kommunikationsagentur unterstützen wir Gemeinden dabei, diese Verbindung herzustellen. Wir helfen, politische Themen so aufzubereiten, dass sie für Jugendliche verständlich und bedeutungsvoll werden, und entwickeln Kommunikationsansätze, die unterschiedliche Motivationen berücksichtigen. Denn nur wenn ein Thema als relevant empfunden wird, entsteht der Wunsch, mitzureden.
Leonie Halter, Die Botschafter Kommunikationsagentur AG LSA